über 100 Jahre Dachdecker- Innung Lübeck und Ostholstein

 

Die Dachdeckerinnung Lübeck und Ostholstein kann auf eine über 100jährige Tradition zurückschauen. Sie wurde im September 1909 gegründet und wir sind sehr stolz, sowohl die Unwegsamkeiten der Geschichte als auch die technische Entwicklung bis zum heutigen Tage mit Bravur gemeistert zu haben.  Wir sehen es als Verpflichtung an, unser Fachwissen immer auf dem neuesten Stand zu halten und dieses zum Wohle unserer Kunden einzusetzen. Damit leisten wir gleichzeitig einen großen Anteil zum Umweltschutz durch Energiesparmaßnahmen und Verringerung des CO2 Ausstoßes.

 

Der Bedarf an steinernen Dachdeckungen in der Zeit der Städtegründungen des Mittelalters schuf den gesonderten Beruf des Dachdeckers, der sich auf den Erfahrungen der klösterlichen Bauhütte aufbaute.

Ein selbständiger Dachdeckerberuf ist erst im 13. Jahrhundert  nachweisbar. Etwa aus dem Jahre 1527 stammt in Lübeck die Rolle der Maurer und der Dachdecker. Um 1550 gibt es in Lübeck eine eigene Rolle der Dachdecker. 1651 wurden die Ämter der Maurer und der Dachdecker erneut vereinigt.

In der Kirche St. Jacobi sind noch 2 sehr schöne Lichterbäume erhalten, die dem Amte der Maurer und der Dachdecker gehörten. Die Vereinigung beider Berufe in einem Amte bestand, so wird vermutet, bis zur Einführung der Gewerbefreiheit. Der 1884 gegründeten Innung Bauhütte und dem Bund der Maurer und Zimmermeister ? gegründet 1902 ? gehörten die in Lübeck selbständigen Dachdecker, aufgrund der Entschließung zur Gründung einer eigenen Dachdecker-Innung nicht mehr an.

Chronologie der Gründung

Ferdinand Diercks +
Ferdinand Diercks +
Erster Obermeister
nach Gründung der Innung
am 24.11.1909
gewählt am 09.12.1909

 

 

Am 8.03.1909 erschien der Dachdecker Ferdinand Diercks, Lübeck, Langer Lohberg 46, beim Stadt- und Landamt der Freien und Hansestadt Lübeck und  überreichte den Entwurf eines Statuts einer zu gründenden Innung für Lübeck. Er bemerkte dazu, dass sämtliche Dachdecker in Lübeck mit nur einer Ausnahme, insgesamt 13, erklärt haben, der Innung beizutreten.

 

21.04.1909

Aus einer Notiz des Stadt- und Landamtes geht hervor, dass das eingereichte Innungsstatut in seiner Formulierung und Grammatik mangelhaft abgefasst sei, dass man schon allein aus diesem Grunde dem Senatsausschuss nicht zumuten könne, seine Genehmigung darunter zu setzen und dadurch das Schriftstück zu sanktionieren. Insbesondere aber deshalb, da es auch inhaltlich nicht den Anforderungen des § 83 der Gewerbeordnung entspreche.

In den Monaten Mai bis November 1909 gelingt es den Gründungsmitgliedern in langwierigen Verhandlungen mit dem Stadt- und Landamt, der Gewerbekammer und dem Senatsausschuss eine Satzung zu erarbeiten.

 

24.11.1909

Die Satzung wird durch den Senatsausschuss genehmigt.

 

09.12.1909

Die Innung wählt 4 Vorstandsmitglieder auf eine Amtsdauer von 2 Jahren. Die Vorstandsmitglieder sind:

F. Diercks, Obermeister

J. Gerke, Schriftführer

H. Schlichting, Kassenführer

A. Müller, Beisitzer

 

17.06.1911

Die Dachdecker-Innung zu Lübeck beantragt die Umwandlung in eine Zwangsinnung. Der Antrag wurde in der Innungsversammlung vom 17.06.1911 mit 9 Stimmen ohne Gegenstimme beschlossen.

 

03.08.1911

Der Senatsausschuß für Gewerbe und Versicherungswesen unter Dr. G. Eschenburg beschließt mit Wirkung vom 01.01.1912 die Zwangsinnung.

 

1934

Ab dem Jahr 1934  wurden der Dachdecker-Innung, die sich bis dahin nur auf das Staatsgebiet von Lübeck erstreckte, auch die Landkreise bis zum Nordostseekanal zugeordnet. Alle selbständigen Dachdecker in den Kreisen Lübeck, Stormann, Pinneberg, Steinburg, Bad Segeberg, Eutin und Oldenburg waren ab diesem Zeitpunkt Mitglied der Lübecker Dachdecker-Innung. Die Mitgliederzahl wuchs dadurch auf über 100 Betriebe an.

 

10. 05.1946

Neugründung der Dachdecker-Innung für die Kreise Lübeck, Eutin und Oldenburg mit dem Sitz in Lübeck. Dachdeckermeister Hermann Schwerdtfeger wird für 2 Jahre zum Obermeister gewählt. Der Name der Innung wurde in den Nachfolgejahren zunächst in “Dachdecker-Innung Lübeck und Umgegend” und später in “Dachdecker-Innung Lübeck und Ostholstein” umbenannt.

 

Der Sitz ist unverändert in Lübeck geblieben.

 

Zwischen Himmel und Erde am Seile hangen,

werken mit ruhiger Hand ohne Bangen,

sich freuen der Sonne, verachten den Sturm:

das ist Dachdeckers Arbeit am Turm!

 

Heinz Piontek

Aus der Historie

 

 

Die Innung wurde sofort nach Gründung, Mitglied des Bundes deutscher Dachdecker-Innungen. Am 31.03.1910 registriert die Statistik 50 beschäftigte Gesellen und Arbeiter bei den Innungsbetrieben. Zum gleichen Zeitpunkt waren 7 Lehrlinge eingeschrieben. Der Jahresbericht der Gewerbekammer zeigt, dass die Geschäftslage infolge der geringen  Bautätigkeit sehr zu wünschen übrig lasse.

 

Aus den Berichten der Gewerbekammer, die bis zum Jahre 1933 zur Verfügung standen, ergibt sich, dass viele Probleme von damals auch heute zum Zeitpunkt des  100 jährigen Bestehens der Innung noch nicht zur Zufriedenheit gelöst sind.

Die Berichte melden, dass

1. das Submissionswesen einer Ordnung bedürfe,

2. die Beiträge zur Bauberufsgenossenschaft als zu hoch empfunden werden,

3. die Löhne steigen,

4. die Erlöse für die Leistungen des Dachdeckerhandwerks sinken,

5. die Zahlungsmoral der Kunden außerordentlich schlecht sei.

 

Das Dachdeckerhandwerk ist wirtschaftlich abhängig von der Konjunktur der Bauwirtschaft. Entsprechend der Konjunktur in diesem Wirtschaftszweig war auch die Beschäftigung im Dachdeckerhandwerk in den vergangenen 100 Jahren. Im Jahre 1913 wurden in Lübeck 13 Wohngebäude errichtet. 1919 etwa 10, 1920 -  220, 1925 ? 265  und 1927 ? 336 Wohngebäude.

 

Die große Wirtschaftskrise der Jahre 1929 bis 1932 hat auch für das Dachdeckerhandwerk in Lübeck und Umgebung Auswirkungen gehabt. Es begann aber eine spürbare Beschäftigungsbelebung in den Jahren 1934/35 und in Jahren danach war die Beschäftigung gut.

 

Der 2. Weltkrieg mit seinen unseligen Folgen ging auch am Handwerk nicht spurlos vorüber. Viele Dachdeckerkollegen, Gesellen und Arbeiter waren Soldat geworden. Um den allzu zahlreichen Bombenschäden Herr zu werden wurden Fremdarbeiter und Kriegsgefangene für die Arbeiten eingesetzt. Die Jahre nach Kriegsende bis zur Währungsreform waren eine sehr schwierige Zeit. Da es nur sehr wenig Material gab, mußte viel improvisiert werden. Nach der Währungsreform 1948 mußten alle Handwerksbetriebe, so auch die Dachdecker, wieder von vorn anfangen. Es gab zunächst nur wenige Bauherren, die den Mitgliedsbetrieben der Innung Beschäftigung geben konnten, dieses verbesserte sich jedoch in den Folgejahren.

 

Der Erfolg bestätigt die richtige Entscheidung im Jahre 1909 zur Gründung der Dachdecker- Innung ? allen Widerständen zum Trotz. Den Gründungsmitgliedern gilt daher besondere Achtung. Sie hatten erkannt, dass der einzelne im Wettbewerb untergeht und dass nur eine starke Gemeinschaft zur Lösung der anstehenden Fragen und Probleme fähig ist.

 

Die Obermeister der Dachdecker-Innung zum Zeitpunkt des 100-jährigen Bestehens in Vergangenheit und Gegenwart:

 

Dachdeckermeister Ferdinand Diercks
1909 bis 1911

Dachdeckermeister Johannes Gerke
1911 bis 1932

Dachdeckermeister Hermann Schwertfeger
1932 bis 1933

Dachdeckermeister Wilhelm Gäde
1933 bis 1937

Dachdeckermeister Walter Wohlrab
ab 1937

 

1943 wurde die Dachdecker- Innung in den Reichsinnungsverband eingegliedert.

Am 10. Mai 1946 erfolgte die Neugründung der Dachdecker-Innung für die Kreise Lübeck, Eutin und Oldenburg, mit Sitz in Lübeck. Dachdeckermeister Hermann Schwertfeger wurde zum Obermeister gewählt. Die Amtszeit dauerte von 1946 bis 1948. Obermeister in den weiteren Jahren:

Dachdeckermeister Alexander Gerke
1948 bis 1971

Dachdeckermeister Bruno Müller
1971 bis 1987

Dachdeckermeister Klaus Czerwinski
1987 bis 2001

Dachdeckermeister Waldemar Pilarczyk
ab April 2001